"Trompete allein reicht nicht"

Überregional

Dessau-Roßlaus SPD-Chef Hans Tschammer hat Oberbürgermeister Klemens Koschig aufgefordert, mehr Führungsstärke zu zeigen. Beim Neujahrsempfang der Sozialdemokraten forderte der Unternehmer ein Ende des "kleinlichen Gezänks und der schwer durchschaubaren Ränkespiele in der Stadt". Das erreiche man aber nicht allein durch Appelle, sondern durch Handeln, durch geschicktes Führung. Man müsse die Klaviatur beherrschen. "Trompete allein reicht nicht."

Tschammer hatte zuvor ein Jahr 2011 bilanziert, in dem Positives wie das erarbeitete Leitbild oder das Abarbeiten der Konjunkturpakete gern vergessen oder nicht beachtet werde. "Suchen Sie die Schuld dafür nicht bei anderen, wenn die Stadt nicht vorankomme und so wenig Gewicht im Umland habe", forderte der SPD-Chef vor den Gästen im Radisson-Blu-Hotel. "Es muss uns in Gemeinsamkeit gelingen, Boden gutzumachen." Das Jahr 2012 und das Jubiläum "Anhalt 800" würden alle Chancen bieten, stärker in die Region hineinzuwirken und gemeinsam Zukunft zu erschließen.

"Anhalt 800" dürfe keine Dessauer Veranstaltung werden, forderte auch der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Hövelmann, "dass die ganze Region landesweit wahrgenommen werden muss". Kritisch setzte sich der ehemalige Innenminister von Sachsen-Anhalt mit den Vorfällen rund um die Oury-Jalloh-Demonstration am Sonnabend auseinander. "Es ist etwas passiert, von dem ich nicht geglaubt hätte, dass es passieren kann", sagte Hövelmann zu den Ausschreitungen im Bahnhof, an deren Ende es zwei Verletzte gab. "In wenigen Minuten wurde hier eingerissen, was fünf Jahre lang mühsam aufgebaut wurde. Ich hoffe und wünsche, dass in Dessau wieder an die Zeit vor dem vergangenen Wochenende angeknüpft werden kann."

Für "unzureichend" hält Hövelmann zudem die Reaktion seines Amts-Nachfolgers. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hatte am Montag einen Beamten aus der Polizeidirektion wegen "unprofessioneller Rechtsberatung" versetzt. Dieser soll geraten haben, gegen den von Demonstranten verwendeten Spruch "Oury Jalloh das war Mord" vorzugehen. Das hatte die Situation eskalieren lassen. "Ich halte es nicht für richtig, dass vorschnell personelle Konsequenzen bei der Polizei gezogen wurden. Und ich habe auch Zweifel an der Richtigkeit dessen, was passiert ist, weil ich die betroffene Person sehr gut kenne."

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 12. Januar 2012

 
 

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