Für Sicherheit und die Zeit danach

Justiz und Inneres

Das "Projekt zur Neuordnung des Justizvollzugs in Sachsen-Anhalt" in der Fünfjahresscheibe 2011- 2016 trägt noch nicht Brief und Siegl. Es trägt empfehlenden Charakter. Aber der weist klar in eine Richtung.

Justizministerin Angela Kolb (SPD) hatte die Ergebnisse der Projektgruppe bei der Untersuchung verschiedener Varianten vorige Woche zusammengefasst und öffentlich gemacht: Demzufolge plant die Landesregierung künftig die Konzentration des Strafvollzugs in halle. Hier würde ein neues Gefängnis bis zu 900 Insassen aufnehmen können. Während die Justizvollzugsanstalt (JVA) Burg mit 650 Haftplätzen und die Jugendhaftanstalt Raßnitz (450 Plätze) weiter auf dem tableau der Reformer verbleiben, sollen die Haftanstalten in Dessau-Roßlau, Magdeburg, Volkstedt und Naumburg geschlossen werden (MZ vom 14. Januar, Seite 1). Die drohende Schließung der JVA Dessau nahmen gestern die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Corinna Reinecke (Wahlkreis Wittenberg) und Holger Hövelmann (Wahlkreis Dessau-Roßlau) zum Anlass, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Im Gespräch mit Anstaltsleiter Rüdiger Richtiger und Personalratsvorsitzendem Mario Pinkert wurden die sachlichen Argumente sondiert, die für einen Erhalt der JVA am Standort sprechen. Man müsse das Konzept sehr ernst und schnell auf die Tagesordnung nehmen, betont Holger Hövelmann, dass der Prozess der Entscheidungsfindung jetzt voll in gang kommt. Und die Strukturreform im Justizvollzug lasse gravierende Auswirkungen für die Region und Dessau als drittes Oberzentrum im Land erwarten. "Da müssen wir jetzt die Klappe aufmachen." Eben das hatten Oberbürgermeister Klemens Koschig bereits Ende Dezember in einem persönlichen Brief an Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff wie auch beim Neujahrsempfang getan und sich nachdrücklich für den dauerhaften Erhalt des JVA-Standortes ausgesprochen. Sein Wegfall stelle auch den Justizstandort mit seinen Gerichten Sukzessive in Frage oder unter erhebliche organisatorisch Aufwendungen.

In der Justizvollzugsanstalt Dessau werden 237 Haftplätze bereitgestellt, 200 davon sind derzeit belegt. 70 Mitarbeiter zählt Rüdiger Richtiger zu seinen Bediensteten, deutlich weniger als die von Experten in einem früheren Gutachten empfohlenen 94 Vollzugsbeamten. "Aber diese 70 Kollegen stehen wie eine Eins, wenn's drauf ankommt", ist Richtig stolz auf sein Team. der Strafvollzug in der JVA Dessau - er versteht sich neben der sicheren Verwahrung von Straftätern auch als "Behandlungsvollzug". Einzig die Resozialisierung hinter Gittern könne Sicherheit schaffen für die "Zeit danach", wenn für ehemalige Straftäter ein straffreies Leben beginnen soll. Neben der Leistung der Bediensteten fällt für den Anstaltsleiter hier auch das Dessauer Umfeld ins Gewischt. Die externen Partner für die Resozialisierung, die Therapeuten, Psychologen, Vereine - hier sei jede nötige Infrastruktur vorhanden und erprobt.

Was für Mario Pinkert noch für die kleine, übersichtliche JVA spricht: Das Haus steht seit 1886 und prägt seit 100 Jahren das Stadtbild. "Es gehört zu Dessau."

Von Silvia Bürkmann (MZ-Dessau-Roßlau)

 
 

WebsoziCMS 3.7.1.9 - 616514 -